Per Rad bis Frankreich

 Foto: M. Peter

Start am 16.07.2011 bei herrlichem Wetter.  

 

Nach gut 2000 km im Fahrradsattel sitze ich wieder am heimischen Laptop. Keine gepolsterte Hose am Hintern, sondern Jeans. Statt Frischluftvergiftung Büromief. Laptoptasten und keine Lenkergriffe mehr. Es hilft nichts, ich muss da durch. Die vier Wochen unterwegs sein fühlen sich heute an wie vier Monate – wenigstens. Nur mit dem Gedanken an die nächste Tour halte ich es in geschlossenen Räumen aus. Mir fehlt Bewegung und frische Luft.

 
Wie sind wir zu dieser Radreise gekommen? Kürzlich waren Freunde aus dem Saarland hier. Die haben uns doch glatt einen Gegenbesuch ohne Auto, aber mit den Rädern zugetraut. Warum nicht? Die Idee, per Stahlross ins Saarland und dann natürlich nach Frankreich zu düsen, ist geboren. Und schon beginnt die aufregende Zeit der Organisation.
 
 
 
Die Sache mit den Vorbereitungen
 
Tausend Fragen schießen mir durch den Kopf. Die altbewährte Packliste muss her. Sind die Radtaschen ausreichend? Schließlich übernachten wir im Zelt und die komplette Ausrüstung will befördert werden. Muss das Zelt imprägniert werden? Ist die Nachbarin auch da, um unsere Blumen zu gießen? Fahren wir wie beim letzten Mal nach Karte, oder sollten wir uns doch endlich GPS zulegen? Den schönsten Weg ins Saarland – gibt es den überhaupt? Und damit sind wir bei den nächsten Punkten: Packerei und Tourenplanung.
 
 
 
 
Hilfe, wir packen!
 
 
 
Die Sache mit der Packerei
 
Im Wohnzimmer türmen sich die Radtaschen. Geschirr, Kocher, Gaskartuschen, Schlafsäcke, Isomatten und, und, und stapeln sich daneben. Kleidung verpacke ich in farbige Nylonbeutel unterschiedlicher Größe. Bald lichtet sich das Chaos. Meine Taschen von Ortlieb und der Seesack von Mountain Equipment sind wasserdicht. Hier drin befördern wir alles, was auf jeden Fall trocken bleiben muss. Werners No-Name-Taschen sind nur wasserabweisend, dafür packen sie sich besser. Die vielen kleinen Außentaschen finden wir praktisch. Inzwischen sind wir Pack-Profis, nach kurzer Zeit ist alles verstaut. Doch Werners Taschen bewähren sich auf dieser Reise nicht. Sie sind das zweite Mal im Großeinsatz und einige Halterungen sind schon defekt. Kurzum, für die nächste Tour müssen bessere Taschen her.
 
 
 
 
Kurz vor Hannover.
 
 
 
Die Sache mit der Tourenplanung
 
Unser Ziel ist das Mandelbachtal. Idyllisch gelegen im Saarland und unweit der Grenze zu Frankreich. Werners Schulfreund aus Hannover erfährt von unserem Vorhaben und bietet uns an, in seinem Garten zu zelten. Dann stehen wir seit ein paar Monaten mit Karin und Claus per e-Mail in Verbindung. Die beiden sind wie wir Reiseradler, wohnen in der Nähe von Köln und haben uns eingeladen. Bisher hatten wir das Motto „Unser Plan ist, keinen Plan zu haben“. Doch nun zeichnet sich eine Reiseroute ab, die so aussehen könnte. Von Proseken nach Gadebusch, Richtung Zarrentin und über die Elbe. Durch die Lüneburger Heide, Hannover, Weser Bergland, Eggegebirge, Paderborn, Arnsberger Wald, Sauerland, Bergisches Land, Köln. Von dort am Rhein entlang und durch die Eifel ins Saarland. Nach reiflicher Überlegung entscheiden wir uns für Radkarten und sind damit beim nächsten Kapitel.
 
 
 
 
12 Karten – 5 Verlage.
 
 
 
Die Sache mit den Fahrradkarten
 
Die Recherche im Internet ergibt, dass kein Verlag für Deutschland flächendeckend Radkarten anbietet. Beim Wismarer Buchhändler besorge ich Karten bis Köln. Sechs Karten, vier Verlage. Hinter Paderborn klafft eine Lücke, die wir hoffentlich überbrücken können. In Köln, beim gut sortierten Globetrotter-Ausrüstungs-Markt, werden wir die restlichen Karten erwerben. Ich habe mich vorsichtshalber telefonisch erkundigt.
 
Die ersten 50 km sind heimatliches Terrain, wir nehmen zwischen Gadebusch und Elbe die erste Karte zur Hand. Sie ist von Maiwald und aus unserem Bestand. Nass werden sollte sie auf keinen Fall. Hinter der Elbe ist die offizielle Karte des ADFC, Bielefelder Verlagsanstalt (BVA), im Einsatz. Sehr übersichtlich, sogar mit Straßennamen, doch weder wasser- noch reißfest. Bald angerissen und stellenweise unleserlich, da feucht geworden. Die organisierten Radler sind wohl nur bei Sonnenschein auf der Piste. Die nächste Karte ist von bikeline, tatsächlich wasserfest und sogar mit Stadtplan von Hannover. Dann wieder eine wasserlösliche ADFC-Karte von Ostwestfalen. Neue Karte, neuer Verlag. Diese Kompass-Karte gefällt uns am besten. Verträgt Regen und ist schön handlich. Nachdem wir das Weser Bergland und Eggegebirge hinter uns gelassen und damit erste Mittelgebirgserfahrungen gesammelt haben, entschließen wir uns hinter Soest, unsere Tour durch das Ruhrgebiet fortzusetzen. Entlang der Ruhr bis Duisburg, dann den Rhein-Radweg bis Köln. Das sind mehr Kilometer, aber die Radkarte zeigt entlang der Flüsse nicht immer diese fiesen Pfeile, die Steigungen bedeuten. Ich besorge eine zusätzliche Kompass-Karte und bei Wickede erreichen wir die Ruhr. Doch die neu erworbene Kompass-Karte erweist sich als Flop. Nicht ein einziger Zeltplatz ist eingezeichnet. Es ist nicht zu fassen. Uns bleibt nichts weiter, als uns durchzufragen. Eine Kompass-Karte von Köln-Bergisches Land haben wir noch in der Tasche. Hier das gleiche Dilemma. Bei Globetrotter bietet man uns Kompass-Karten an, doch wir lehnen dankend ab. Statt dessen nehmen wir wasserfeste Karten von Publicpress. Hier gibt es das Zeltplatzzeichen nicht nur in der Legende. Ich kontrolliere mit dem netten Verkäufer akribisch jede Karte. Die Fehldrucke von Kompass wird man reklamieren. Wasserfeste Karten sind in diesem Sommer viel wert. Damit sind wir beim nächsten Thema, dem sonderbaren Wetter.
 
(Anmerkung zu den Kompass-Karten: Wir haben die Karten beim Verlag reklamiert. Man hat sich für den Hinweis bedankt und entschuldigt. Die Karten werden korrigiert und kommen neu in den Handel. Als Entschädigung hat man uns sechs Radkarten unserer Wahl geschickt. Das finden wir in Ordnung.)
 
 
 
Glück gehabt, gerade rechtzeitig die Brücke erreicht.                                                                                       
 
 
 
 
Die Sache mit dem Wetter
 
Ein paar Tage sind wir unterwegs, da kommen von zu Hause die ersten Nachrichten mit folgenden Fragen: "Seid ihr weggeschwommen?", "Wie kommt ihr mit dem Dauerregen zu recht?" usw. Da wir wegen der miesen Wetterprognosen erstmals ein Reiseradio dabei haben, sind uns die Unwetterwarnungen für die Ostseeküste nicht entgangen. Uns ist bald klar, dass wir den schlimmsten Wetterkapriolen davon gefahren sind. Wir haben sehr oft heftige, kurze Schauern oder auch schon mal zwei oder drei Stunden Landregen. Für uns erträglich. In Dahlenburg, zwischen Elbe und Lüneburg, brauchen wir das erste Mal unsere Plane als Regenschutz. Danach finden wir meist rechtzeitig eine Bushaltestelle, einen dichten Baum, eine Brücke oder eine (Telefon-)Zelle in Celle. Dauerregen erweicht unsere Klamotten und Nerven das erste Mal am Rhein. Dann erst wieder am letzten Tag, als wir vom Schaalsee nach Hause zurück kehren. Drei echte Sommertage sind uns auch beschwert, das soll hier ausdrücklich erwähnt werden. Am Tag der Abreise, im Saarland und in Frankreich. Einmal ist es nachts so kalt, dass ich im wirklich warmen Schlafsack Funktionsunterwäsche anziehe. Die Butter ist manchmal fester als zu Hause in Kühlschrank. Soviel zum Sommer 2011, der eher herbstlich daher kam.
 
 
 
          
Im Weserbergland.
 
 
 
Die Sache mit der Wegfindung
 
In Krefeld stehen wir bei strömendem Regen in einem Park. Dass wir ziemlich weit vom Rhein weg sind, haben wir mitbekommen. Es muss nicht zwangsläufig falsch sein. Die Radweg-Umleitungs-Ausschilderung endet abrupt. Genau hier wäre GPS hilfreich. Oder zumindest ein wasserfester Stadtplan. Doch ein unerschrockener Hunde-Gassi-Geher erklärt uns ungefragt den Weg zurück zum Radweg.
 
Auch in Horn-Bad Meinberg hätten wir mit GPS sicherlich den direkten Weg gefunden. Doch wir rollen durch bunt blühende Wiesen und finden diesen naturbelassenen Landstrich einen Umweg wert. Am Hardausee hinter Uelzen lassen wir uns von anderen Radlern zu einem Waldweg Richtung Eschede überreden. Die Abkürzung hat uns mehrere Kilometer Räder schieben im losen Sand eingebracht. Wir nehmen den kürzesten Weg zum Radweg an der Bundesstraße und sind froh, wieder Asphalt unter den Reifen zu haben. Im Eggegebirge, zwischen Horn-Bad Meinberg und Schlangen, biegen wir zu früh ab und fahren bergauf und bergab einen unbefestigten Weg durch den Wald. Das Schieben bleibt uns erspart, dieser Weg ist gut befahrbar.
 
Letztendlich sind unsere Erfahrungen mit Radkarten, egal von welchem Verlag, recht positiv. Der Maßstab 1:75000 ist in Ordnung. Wir sind auf vielen wenig befahrenen Straßen oder straßenbegleitenden Radwegen unterwegs und können alle Informationen aus den Karten entnehmen. Entlang der Flüsse ist die Wegfindung meist einfach. Krefeld bestätigt die Ausnahme von der Regel. Die GPS-Radler, mit denen wir uns unterhalten, kommen grundsätzlich schneller durch die Ballungsgebiete, haben aber nicht so viel Kontakt zu den Einheimischen. Radkarten haben sie trotzdem dabei. Fast immer, wenn wir die Karte studieren, ist ein netter Helfer ungefragt zur Stelle. So geschehen zum Beispiel in Soest, Krefeld oder Soltau, wo uns eine gute Fee zu einem kleinen Zeltplatz schickt, der auf unserer Karte gar nicht verzeichnet ist. Damit sind wir beim nächsten Thema. Wo haben wir denn unser Zelt aufgeschlagen?
 
 

  

Schieben war nicht geplant.

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Die Sache mit den Campingplätzen  

Nicht immer finden wir einen Campingplatz. Aus dem einfachen Grund: Es gibt weit und breit keine. Schon die erste Nacht verbringen wir in einem Tierbeobachtungsturm und brauchen das Zelt nicht aufbauen. Einmal fragen wir beim Bauern und werden nicht abgewiesen, an der Weser stellen uns nette Leute die frisch gemähte Wiese zur Verfügung. Auch in Duisburg werden wir nicht fündig, doch ein Plätzchen findet sich. Hier zwischen Birken und Brombeeren (sehr lecker!) unweit vom Rhein.

 
Wenn wir Zeltplätze finden, dann bedeutet ein saftiger Preis nicht automatisch gute Qualität. Das schlechteste Preis-Leistungs-Verhältnis ereilt uns am Rhein. Pro mistiger Dusche knöpft man uns einen ganzen Euro ab und verspricht vier Minuten warmes Wasser. Dass wir drei Minuten brauchen werden, um eine erträgliche Wassertemperatur (was gibt es zwischen kochend heiß und eiskalt?) einzustellen, wird vorsichtshalber oder aus Unwissenheit verschwiegen. Sollte das Letzte zutreffen, dann ist man spätestens nach unserer Abreise im Bilde. Wir bemängeln den miserablen Zustand der Duschen, man nimmt die Kritik schweigend zur Kenntnis. Der Platz in Saarlouis bekommt von uns jedoch Bestnoten. Hier stimmt alles, und das zu einem lukrativen Preis.
 
Und da wir gerade beim Übernachten sind: Bei Karin und Claus in Hürth rollen wir unsere Schlafsäcke auf dem Wohnzimmerteppich aus, Zeltplatz nicht nötig. Gleich mehr zu dieser in unseren Breiten unüblichen Geschichte.
 
 

 

Übernachtung im Tierbeobachtungsturm.

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Die Sache mit dem Vertrauensvorschuss

Fremde Menschen sind oft misstrauisch zueinander. Sie unterhalten sich vielleicht über belanglose Dinge, aber mehr erstmal nicht. Vorsicht und Zurückhaltung sind geboten. So hat man uns den Umgang mit Fremden als Kinder eingeschärft, und die Medien tun ihr übriges, diesen Eindruck zu erhärten. Wir treffen jedoch Menschen, die sich völlig anders verhalten.

Da ist der Bauer in Paradiese, einem Dorf gleich hinter Soest. Wieder mal Regen, wir müssen eine Umleitung wegen Brückenbauarbeiten fahren. Bis zum Zeltplatz sind es bestimmt noch 10 km. Ich sehe einen Mann vor einem einzelnstehenden Bauernhaus und rufe: "Haben sie für uns eine Zeltwiese?" Der Mann winkt uns auf sein Grundstück. Seine Frau kommt dazu und wir beantworten in der Werkstatt die üblichen Fragen nach dem Woher und Wohin. Dass wir auf dem Weg nach Frankreich sind, beeindruckt die beiden außerordentlich. Ja, hier düsen viele Radfahrer vorbei, aber nach einer Übernachtungsmöglichkeit hat noch niemand gefragt. Die nette Frau bietet uns Abendbrot an, wir verdrücken aber unsere mitgebrachten Lebensmittel. Der gewitzte Kater interessiert sich sehr für uns und das Zelt. Schließlich Abwechslung zur Mäusejagd. Dann zeigen uns unsere sympathischen Gastgeber den Hintereingang und ein Badezimmer. Frische Handtücher liegen bereit. Das ist doch überwältigend. Wir kennen uns überhaupt nicht, werden aufgenommen wie Freunde, und reden noch lange miteinander. "Wert ihr mit einem dicken Mercedes vorgefahren, hätte ich euch nicht auf mein Grundstück gelassen. Aber regennasse Radfahrer, die von der Ostsee kommen, lasse ich hier gern campen", sagt uns der freundliche Bauer zum Abschied. Wir kriechen in unsere Schlafsäcke. Regen trommelt auf die Zeltplane und der freche Kater mauzt herzzerreißend vor unserer Nomadenhütte.

 

Paradiese war für uns ein Paradies.

 

 

Der Bauernhof-Kater in Paradiese.

Die Homepage von Karin und Claus, Reiseradler aus Hürth bei Köln, habe ich vor Monaten im Internet gefunden und ein paar Zeilen im Gästebuch hinterlassen. Unter anderem, dass wir nach Frankreich radeln werden. Als Antwort kam eine Einladung. Klar, das Gefühl mit den Rädern vor dem Kölner Dom zu stehen gefällt uns. Nach neun Radfahrtagen ist es soweit. Wir stehen vor dem imposanten Gemäuer. Karin arbeitet bei Globetrotter, dort fahren wir hin. Bisher haben wir gemailt und telefoniert, jetzt sehen wir uns das erste Mal. Karin hat viel Arbeit, gibt mir eine Karte mit genauer Wegbeschreibung. "Der Kühlschrank ist voll, im Hochschrank sind Getränke, Badetücher liegen bereit. Macht es euch gemütlich, wir kommen gegen 20.30 Uhr. Bis später." Mit diesen Worten drückt sie mir noch die Schlüssel in die Hand. Der nächste Kunde wartet. Wir radeln nach Hürth und nehmen das Domizil von Karin und Claus in Beschlag. Als die beiden nach Hause kommen, sitzen wir frisch geduscht auf der Terrasse und trinken Apfelschorle. Karin und Claus waren 2010 sechs Monate in den USA und Kanada unterwegs. In fantastischen Fotobüchern haben sie ihre Rad-Erlebnisse festgehalten. Wir sind fasziniert und hören ihnen gebannt zu. Warum sie uns die Schlüssel zu ihrer Wohnung gegeben haben, möchten wir wissen. Sie wollen weitergeben, was sie in Amerika mehrmals erlebt haben und gehen davon aus, dass Reiseradler - wie sie - ehrliche Menschen sind. Alle Achtung. Inzwischen haben wir unsere Meinung geändert und würden es heute auch tun. Kurz vor Mitternacht rollen wir unsere Schlafsäcke auf dem Wohnzimmerteppich aus. Am nächsten Morgen frühstücken wir gemeinsam mit Karin. Claus kommt gegen Mittag und begleitet uns ein paar km Richtung Bonn.

 

Am Kölner Dom.

 

 

Bei Karin und Claus in Hürth.

Auf dem Rückweg suchen wir an der Weser vergeblich einen Zeltplatz. Nicht mal ein Plätzchen wie am Rhein ist zu finden, denn wir sehen nur Maisfelder und den Fluss. In einem Dorf packen junge Leute gerade ihren Rasenmäher zusammen. Ich frage, ob wir auf der frisch gemähten Wiese campen dürfen. Klar, kein Problem. Als wir das Zelt aufstellen, ist der kleine Sohn Feuer und Flamme und stellt uns tausend Fragen. "So, jetzt ist unser Haus fertig", erkläre ich.  "Habt ihr keine Wohnung?" fragt mich der kleine Kerl neugierig. Wir hatten unseren Spaß mit dem Filius und er mit uns. In Ermangelung eines blickdichten Busches dürfen wir die Toilette benutzen. Auch hier von Argwohn keine Spur, im Gegenteil.

Im Hotel kann jeder logieren. Aber ganz spontan beim Bauern, auf dem Wohnzimmerteppich oder der frisch gemähten Wiese nächtigen - davon werden wir noch in zwanzig Jahren schwärmen.

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Die Sache mit den anderen Radlern 

Als wir die Fluss-Radwege erreichen, sind wir nicht mehr allein auf der Piste. Die meisten Radler reisen mit wenig Gepäck. Manchmal begegnen uns einheimische Radfahrer. Von Bad Bevensen nach Uelzen fahren wir am Elbe-Seiten-Kanal und überholen ein Pärchen, vermutlich im Rentenalter. Die beiden treffen uns wieder, als der Weg abrupt endet und wir ein paar Riegel futtern. Die üblichen Fragen nach dem Woher und Wohin beantworten wir gern. Von unserem Vorhaben sind sie beeindruckt. Und dann sagt der Mann etwas entscheidendes: "Ich habe immer nur geplant und geplant, so lange Jahre, bis ich krank wurde. Ich wollte mit dem Rad nach Kiel und in die Masuren. Heute schaffe ich am Tag gerade mal 15 km. Sie machen es richtig. Ich beneide sie." Wer gibt schon so unumwunden die eigene Schwäche und seinen Neid zu. Den traurigen Blick dieses Mannes werden wir nie vergessen.

In Cochem stehen wir mit vier Männern unter einer Brücke (Schauer abwarten - was sonst!). Sie erzählen stolz von ihrer Tour mit Gepäcktransport. Von Trier kommend nach Koblenz sind sie unterwegs. Als sie unser Gepäck begutachten und auf unsere Tachos schauen (996 km), zieht einer von ihnen für uns seinen Hut.

Ein junger Mann hilft uns in Ahrweiler, wo wir vom Rhein-Radweg abgekommen sind. Ganz unkompliziert erklärt er, dass er sich gerade auf ein Leichtathletik-Turnier vorbereitet und es für ihn kein Problem ist, mit uns zum Rhein zu radeln. Er fährt mit Werner und erzählt viel von sich. Hoffentlich bekommt er das erhoffte Praktikum und die gewünschte Ausbildungsstelle. Solche Jugend lässt hoffen.

In Minden treffen wir einen allein reisenden Mann mit aufgerüstetem Rennrad und Leichtgepäck. Wie wir ist er bei einer Radweg-Umleitung im Kreis gefahren. Gemeinsam finden wir den richtigen Weg und bleiben ein Stück zusammen. Er ist von Stuttgart nach Bremen unterwegs, wo seine Familie Urlaub macht. Wir überholen eine Senioren-Gruppe. Am nächsten Abzweig machen wir Pause, verabschieden uns von unserem Begleiter, der den kürzesten Weg zu seiner Familie einschlagen will. Die Senioren-Gruppe holt uns ein und rastet auch. Ein Mann spricht mich an, stellt die üblichen Fragen. Doch im Auftrag der Frauen, die sich erst nicht trauen, mit uns zu reden, aber so neugierig sind. Wir erzählen, dass wir auf dem Rückweg von Frankreich sind und über 1600 km im Sattel hinter uns haben. "Sie sehen ja gar nicht kaputt aus", entfährt es einer Frau. Die Senioren-Gruppe ist überwältigt. Die Rentner schütteln über uns den Kopf, als wir wieder in die Pedalen treten.

Walsrode wird uns immer im Gedächtnis bleiben. Nicht wegen des wunderschönen Ortes, nein, wir werden ungewollt Zeugen des organisierten   Rad-Horror-Tourismus. Das Wetter kommt eher herbstlich daher. Ein Bäcker ist in Sicht, genau, ein Kakao ist jetzt das Richtige. Bestimmt zehn andere Räder stehen noch vor der Bäckerei. Eine geführte Senioren-Gruppe mit Anführer. Alle in Regenklamotten gehüllt. Bald bedient der Anführer seine nicht zu überhörende Hupe und verkündet lautstark, dass er auf Trödler keine Rücksicht nehmen wird. Die Gruppe ist schnell fertig und düst los. Als der letzte Radler unseren Blicken entschwindet, kommt eine Frau von der Toilette und merkt entsetzt, dass die anderen Räder weg sind. Als sie aufs Rad springen will, gibt ihr die Bedienung eine Tasche, die ein Radler ihrer Gruppe vergessen hat. Mit Panik in den Augen fragt sie, in welche Richtung sie denn nun muss, und wohin mit der Tasche, und überhaupt, was soll sie machen, wenn sie ihre Gruppe nicht einholt..... Wir können beide die Karte lesen, unser Zelt allein auf- und abbauen und uns unterwegs verpflegen. Lieber allein in Ruhe als chaotisch in so einer Gruppe fahren. Das schwören wir uns nach dieser ungewollten Beobachtung, die hoffentlich ein Ausnahme darstellt.

 

 

 

An der Mosel.

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Die Sache mit der Rad-Manufaktur 

Wir sind in dem kleinen Ort Hoya an der Weser. Wieder mal Regen, ich stehe bei den Rädern vor einem Supermarkt, Werner kauft ein. Ein Auto mit dem Schriftzug "HARTJE" fährt vorbei. Kommt mir sehr bekannt vor, ich fahre schließlich ein HARTJE-Rad. "Die Rad-Manufaktur ist ganz in der Nähe, fahren sie dort unbedingt hin." Ein netter Mann erklärt mir den Weg zum Gewerbegebiet. Gehört, getan. Man begrüßt uns sehr freundlich und wir dürfen in die Ausstellung, die eigentlich den Händlern vorbehalten ist. Bei den Rennrädern gehen uns die Augen über. Das neue Contoura-Modell sieht großartig aus. Ich fahre seit drei Jahren das Contoura Parma und würde es jederzeit wieder kaufen. Über 13000 km zeigt mein Tacho. Sehr stabil und damit genau richtig für unsere Touren mit viel Gepäck. Noch nie sind Radler vorbeigekommen, erzählen uns die netten Frauen. Purer Zufall, dass wir hier gelandet sind. Hoya werden wir wegen "HARTJE" nie vergessen. Toll, mein Rad ist "handmade in Germany by HARTJE".

Schon in Uelzen sprach mich eine Frau an. "Sind sie mit ihrem HARTJE-Rad auch so zufrieden?" Sie zeigte mir stolz ihr Contoura Porto, mit dem sie oft, auch mit Gepäck, unterwegs ist. Noch ein HARTJE-Fan.

Doch nicht immer sind wir mit den Rädern unterwegs. Für zwei Etappen müssen wir auf dem Rückweg die Bahn bemühen. Unsere Arbeitgeber sind mit vier Wochen Auszeit schon sehr großzügig.

 

 

Rad-Manufaktur "HARTJE" in Hoya an der Weser.

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Die Sache mit Luxemburg und Frankreich

Wenn wir schon die Mosel bis zur Saarmündung nach Konz kutschieren, können wir Luxemburg nicht auslassen. Wasserbillig (L) 6 km, so steht es auf dem Wegweiser. Wir waren vor Jahren mal dort, natürlich mit dem Auto. Um so genialer das Gefühl, mit den Rädern hier zu sein. Genau wie in Köln und Trier. Diesmal mit Muskelkraft, nicht mit Motorkraft. Möglicherweise das nächste Mal zu Fuß mit Rucksack? Die Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg ist die Sauer. Wir halten auf der Brücke und sind begeistert, das erste Nachbarland erreicht zu haben. Fest steht, dass der Ort immer noch vom Tank- und Einkaufstourismus heimgesucht wird. "Kein Dosenpfand" steht an allen Supermärkten. Die gibt es hier, genau wie Tankstellen, zuhauf. Beim Bäcker gönnen wir uns den obligatorischen Kaffee und fahren zurück zur Saarmündung.

Ruhr, Rhein, Mosel haben wir hinter uns - jetzt ist die Saar an der Reihe. In Konz schon hat ein netter Radler vom Saar-Hunsrück geschwärmt wie beeindruckend sich der Fluß durch die naturbelassene Landschaft windet. Einen Abstecher nach Saarburg mussten wir ihm versprechen. Wir werden nicht enttäuscht. Die Saar ist die Krönung der von uns bewältigten Flußradwege. An der Ruhr waren wir überrascht, dass sich der durch ein immensen Ballungsgebiet schlängelnde Fluss noch Auen und naturbelassene Etappen zu bieten hat. Unsere Rheintour führte uns von einer Großstadt in die nächste. Die Rheinschlepper ganz lässig zu überholen war ein Spaß. Die Mosel beeindruckte mit ihren Weinbergen. Wie oft haben wir uns überwältigende Aussichten erradelt. Interessant war der Überraschungsbesuchs bei einem uns bekannten Weinbauern. Zwei Gläser Wein. Anschließend hatten wir Schwierigkeiten mit unseren Rädern die Kurve zu kriegen.

Beim Weinbauern an der Mosel.

 

Weinberge an der Mosel.

 

An der Saar.

Doch hier an der Saar ist es atemberaubend. Saarburg haben wir in guter Erinnerung. Obwohl ich beim Schieben auf dem antiken, nassen Pflaster bergan ausrutsche. Die Postfrau ist sofort zur Stelle. Der Abstecher hat sich gelohnt. Wo gibt es schon mitten im urigen Ort einen Wasserfall, Wasserräder und ein Amüseum. Einmal fragen wir uns: "Wo sind wir eigentlich: Im Saar-Hunsrück oder in Norwegen?" Die Saar ist breit und von Felsen gesäumt wie ein Fjord. Im Naturschutzgebiet "Urwald", gegenüber dem Vogelfelsen einige km vor Mettlach, bittet ein Schild um Verständnis für ein paar Meter Waldweg. Asphalt im Urwald, wie unpassend. Wir schieben gern. Die Saarschleife hinter Mettlach beeindruckt trotz Regen. Bald erreichen wir Merzig und queren den Ort auf der Suche nach einem Supermarkt. Bis Saarlouis ist es nicht weit. Wie verbringen die Nacht auf dem hübsch gelegenen Campingplatz mitten im Ort. Nette Nachbarn mit Caravan bringen uns Tisch und Stühle. "Ihr imponiert uns mit eurer Radtour von der Ostsee und sollt gemütlich sitzen." Mit diesen Worten verabschieden sich die beiden zum Stadtfest. Am nächsten Morgen drehen wir eine Runde durch Saarlouis, frühstücken beim Bäcker und folgen unserem Kurs der Saar entlang nach Frankreich.

Die Bühne wechselt. Erst Naturschauspiel, nun Weltkulturerbe. Wir haben es bis Völklingen geschafft und stehen an der gleichnamigen Hütte. Jetzt wird es Zeit, unseren Freund Otto anzurufen. Er kommt uns mit dem Rennrad (!) entgegen. Gemeinsam geht es im Reiseradler-Tempo nach Saarbrücken. Otto fährt dann mit uns einfach einen kleinen Umweg. Am 16. Tag unserer Tour und knapp 1300 km in den Pedalen stehen wir an der Grenze zu Frankreich.

Luxemburg am 15. Tag erreicht.

 

Frankreich am 16. Tag erreicht.

Bis ins Mandelbachtal nach Erfweiler-Ehlingen müssen wir mit unseren schwer beladenen Rädern noch ein paar beachtliche Hügel erradeln. Otto passt sich freundlicherweise unserem Tempo an. "Da sind ja die Radfahrer aus Wismar" ruft ein Mann und winkt uns freundlich zu. Unser Kommen hat sich bereits herumgesprochen. Vier Tage bleiben wir bei unseren Freunden im Saarland. Gemeinsam schwingen wir uns auf die Räder, düsen nach Sarreguemines und den Canal de la Sarre entlang. Radfahrfreie Tage haben wir uns nun endlich verdient. Mit dem Bus geht es nach Saarbrücken, mit dem Auto in einen Archäologischen Park, der teils in Frankreich, teils in Deutschland liegt. Doch wir machen uns Gedanken über den Rückweg. Erstmal entscheiden wir uns für öffentliche Verkehrsmittel.

 

 

 

Saarmündung bei Konz.

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Die Sache mit der Bahnfahrt

Bahn fahren - was ist das? Lange her, unsere letzte Tour mit dem Zug. Überfüllt und voller Randalierer. Diesmal ist es nicht so schlimm. Dafür anders schlimm. Irgendwie müssen wir nach Hause kommen. Per Rad zurück ist zeitlich nicht drin. So entscheiden wir uns im Saarland für zwei Etappen mit der Bahn. Da wir noch bei unseren Freunden im Mandelbachtal sind, führt kein Weg an einer Busfahrt nach Saarbrücken zum Europa-Bahnhof vorbei.

Ich stehe rechts im Bus, vor mir das Rad. Mit der einen Hand klammere ich den Lenker fest, mit der anderen eine Stange. Zumindest gebe ich mir Mühe mit dem Klammern. Der Busfahrer ist beim Gas geben nicht zimperlich. In jeder Rechtskurve bringen mich die Fliehkräfte an den Rand der Verzweiflung. Die Gefahr ist groß, dass ich samt Rad und Taschen durch den Bus schieße. Werner geht es auf der anderen Seite nicht besser. Er mag die Linkskurven. Doch alles geht gut. Erleichtert verabschieben wir uns am Bahnhof vom flotten Chauffeur. Nie wieder Bus fahren mit Räder. Wir sind geheilt. Unser Freund Otto, seines Zeichens Busfahrer, hatte uns die Rheinland Pfalz/Saarland-Tickets besorgt. Gültig ab 9 Uhr für Bus und Bahn, Fahrradbeförderung inbegriffen. Versteht sich.

Auf zu neuen Abenteuern, wir sind im Zug. Hier gibt es Spanngurte, die Räder können nicht kippen. Das Fahrradabteil füllt sich. Wer zuerst raus muss, hat das Rad griffbereit ganz vorn. Die nächste Hürde heißt umsteigen. Den Ort habe ich vergessen, weiß nur, der Bahnhof war eine Großbaustelle. Die Aufzüge schlecht ausgeschildert, die Treppen steil. Nach mehrmaligen Nachfragen bei genervten Bahn-Uniform-Trägern finden wir dann doch den einzigen intakten Aufzug. Die Schlange ist lang, nur ein Rad paßt rein, die Zeit rennt wie verrückt. Gerade rechtzeitig erreichen wir unseren Zug. Es gibt diesmal keine Gurte, wir müssen gemeinsam mit anderen Radlern improvisieren. Spanngurte kommen mit auf unsere Packliste. Wieder was gelernt.

In Bonn verlassen wir den Zug. Bis Köln nehmen wir wieder Asphalt unter die Reifen und übernachten in Rodenkirchen auf einem Campingplatz am Rheinkilometer 681. Eine Frau informiert uns höflich aber bestimmt, dass wir uns gerade auf ihrem Parkplatz breitmachen. Doch wo sollen wir hin. Keine Zeltwiese, der Platz überfüllt. Uns bleibt nur die Dauercamperkolonie mit Blumenbeeten und Gartenzwergen. Morgens stelle ich einen Packsack gegen den Zaum vom nächsten Caravan. Geht da doch ein Fenster auf und hinter der Gardine ertönt eine aufgebrachte Frauenstimme: "Nehmen Sie den Sack weg, der Zaun könnte umkippen." Fenster zu. Ich muss einfach nur laut lachen. Nach ein paar Minuten lassen wir die Dauercamperkolonie in Frieden ihre Gartenzwerge bestaunen.

Wir sind auf dem Weg zum Hauptbahnhof. Jetzt ordern wir NRW-Tickets. Für die Räder verlangt man einen saftigen Aufschlag. Versteht sich. Wir sind nicht mehr im Saarland. Hier Übernachtung auf dem überfüllten Zeltplatz happig, die Zugfahrt gesalzen. Egal, wir wollen weiter und haben Tickets, gültig bis Minden. Das Radabteil füllt sich. Der allein radelnde Manager erzählt von seinen Erfahrungen mit GPS. Ein Pärchen unseres Alters ist das erste Mal auf einer längeren Tour und hat meist in Jugendherbergen genächtigt. Sie sind stolz auf ihre 500 km. Ich mag gar nicht sagen, dass wir fast 1000 km mehr auf dem Tacho haben. Unterwegs beschließen wir, in Münster auszusteigen. Das Wetter ist gut, warum sollen wir dann im Zug rumhängen?

 

 

Warten auf den Zug Richtung Heimat.

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Die Sache mit den Maisfeldern

Der Weser-Radweg führt durch ein uriges Dorf, geprägt von restaurierten Fachwerkhäusern. Der Wegweiser verspricht die schönste Reise entlang der Weser. Wären da nicht die Maisfelder, Maisfelder und nochmals Maisfelder. Mais ohne Ende macht die Reise an der Weser nicht gerade abwechslungsreich. Weinberge waren nicht so eintönig, aber die sind nun Geschichte. Vor Niendorf trennt uns ein überdimensionales Maisfeld vom Fluss. Das Feld liegt rechts neben uns - Wind von hinten. Der Pfeil führt uns nach rechts ums Feld - Wind von der Seite. Der Pfeil zeigt wieder nach rechts ums Feld - Wind von vorn. "Wenn der nächste Pfeil wieder nach rechts geht, hab ich hier die Nase voll. Ich will zur Weser und keine Maisfeld-Umrundung", schreie ich gegen den Wind an. Doch irgendwann erlöst uns ein grüner Pfeil vom Riesen-Maisfeld. Ein weiterer Kukuruz-Acker lässt nicht lange auf sich warten. Wir hatten es geahnt.

 

 

Maisfelder ohne Ende an der Weser.

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Die Sache mit dem Ausmisten

Unsere letzte Station auf dieser Tour ist ein netter Zeltplatz am Salemer See, einem Nebenarm des Schaalsees. Gar nicht nett dagegen ist das Wetter. Es regnet ohne Pause. Wir haben nun die Etappe nach Hause vor uns und warten vergeblich auf Wetterbesserung. Es hilft nichts, frustriert setzen wir uns in Bewegung. Werner verzichtet auf Regenkleidung. Der Gedanke an eine heiße Dusche heute abend treibt ihn voran. Nach mehreren Stunden sind wir auf der Zielgeraden. Plötzlich teilen sich wie von Zauberhand die Wolken. Der Regen hört auf, Sonne zeigt sich. Zwar zaghaft, aber immerhin. Kurzentschlossen nehmen wir den Weg nach Wismar und als wir auf den Markt sind, strahlt die Sonne und wir sind trocken. Wer hätte das gedacht. Diesen plötzlichen Wetterumschwung nehmen wir zum Anlass, unseren Radhändler aufzusuchen. Gut 2000 km zeigen die Tachos. Wir werden mit Fragen überhäuft. Am meisten interessiert hier, wie oft wir zu Reparaturzwecken die Räder entladen und auf den Kopf stellen mussten. Gar nicht, weder Reifenpanne noch gerissene Kette. Glück gehabt wie am Oder-Neiße-Radweg. Gut gelaunt treten wir nun endgültig den Heimweg an. Unsere Wohnung kommt uns viel zu groß vor. Brauchen wir alles, was sich in diesen Räumen befindet? Wir haben die letzten Wochen sehr spartanisch gelebt und uns dabei so wohl gefühlt. Weder Fernseher noch Laptop vermissten wir.

Kaum sind unsere Taschen leer, beginnen wir unser Rückkehr-Ritual. Schranktüren öffnen und raus mit allen Sachen, die wir das letzte Jahr nicht gebraucht haben. Ausmisten fühlt sich so gut an. Und klappt am besten, wenn man von einer Tour mit minimalistischem Gepäck kommt. Was man ein Jahr nicht benötigt hat, braucht man das ganze Leben nicht mehr. An den Fernseher haben wir uns schnell wieder gewöhnt, auch an die großen Räume. Der Laptop ist notwendig, zum Beispiel zum Bearbeiten dieser Homepage. Doch die Kartons mit den unnützen Dingen entsorgen wir sofort. Nicht dass wir uns an den überflüssigen Kram gewöhnen.

 

 

Wieder zu Hause - nach vier Wochen und 2035 km.

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Ein paar Schlussbetrachtungen

Die längste Tagesetappe: 109 km von Syburg an der Ruhr bis Duisburg am Rhein.

Der am schwersten zu ertragende Radfahrtag: Bei Dauerregen von Duisburg bis zum Campingplatz hinter Zons auf dem Rhein-Radweg.

Die anstrengendste Tagesetappe: 85 km bergauf und bergab durchs Weserbergland und Eggegebirge.

Das bemerkenswerteste Erlebnis: Wir schlossen in Hürth eine völlig fremde Wohnung auf, nämlich die von Karin und Claus.

Die schönste Erinnerung: Wir schafften es am 16. Tag bis zur französichen Grenze und waren schon in Luxemburg.

Die großartigste Erfahrung: Wir standen mit den Rädern vorm Kölner Dom und in Trier vor der Porta Nigra.

Der neue Plan: Wir wollen 2012 durch die Balkanstaaten zum Donaudelta radeln.

 

 

 

 

- ENDE -

 

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Trenne dich nicht von deinen Visionen. Wenn sie verschwunden sind,
wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben.
 
Mark Twain
 

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